20160120_163754_resized  20160120_163737_resizedFischreiher_2Er ist in den Gärten der Eigenheimbesitzer nicht gerne gesehen, dennoch wagt er sich immer wieder in die privaten Gefilde der Zierteichliebhaber, um den ein oder anderen Happen zu ergattern. Dabei ist er auch nicht wählerisch – ob Fisch, Frosch oder Molch, Hauptsache nicht viel Arbeit und nicht zu lange darauf warten müssen.
Ob der Graureiher, der am Mittwochmorgen mit einem verletzten Flügel auf einem Gewächshaus im Vollmühlenweg in Bergisch Gladbach stand, schon gefrühstückt hatte, konnte nicht gesagt werden. Offensichtlich war aber, dass er sich in diesem Zustand nicht mehr aus eigener Kraft in die Lüfte bewegen kann. Die Gelegenheit eigentlich, um es dem Gelegenheitsdieb endlich heimzuzahlen. Der traurige Blick und das von Schmerz verzerrte Gesicht des Tieres bewirkte dann aber doch eher Mitleid als Rachegefühle bei dem Eigentümer des Gartens und so sah er von seinen ursprünglichen Plänen ab. Er alarmierte die Feuerwehr, in der Hoffnung, dass der Vogel von den „Rettern“ einer artgerechten medizinischen Versorgung zugeführt werden kann. „Chirugisch 1“ lautet in der Regel das Stichwort für den Rettungsdienst, wenn er zu einem Patienten mit gebrochenem Arm fährt. Was sagt man bei einem Vogel mit ausgerenktem Flügel? „Verletzter Fischreiher auf Gewächshaus“ musste  in diesem Falle bei der Alarmierung ausreichen, um den Männern der Feuerwache Nord auf die lebensbedrohliche Lage des Verunfallten deutlich hinzuweisen und auf den Weg zu schicken. Hat man schließlich auch nicht alle Tage!

Bei Eintreffen der Einsatzkräfte vor Ort war man sich zunächst nicht so recht sicher, wie man den Reiher denn nun eingefangen bekommt. Vielleicht sollte man doch besser jemanden rufen, der mit solchen Situationen vertraut ist und weiß, was zu tun ist?! Feuerwehrleute wären aber keine richtigen Feuerwehrleute, wenn ihnen in solch einer Situation nicht irgendeine Idee käme, einen verletzten Vogel – und wir sprechen ja nicht von einem Spatzen – von einem Dach zu holen. Nicht mit dem Löschschlauch sondern mit einer Löschdecke gelang es den Männern, das verletzte und sehr verängstigte Tier einzufangen. Der Transport zum Tierarzt war für ihn jedoch nur in einer Katzenbox möglich, dem er sich geduldig fügte. Die Tierarztpraxis von Dr. Pieper in Leverkusen war bereit, den Vogel auch ohne Krankenversicherung medizinisch zu versorgen. Neben der ausgerenkten Schulter stellte man dort auch noch eine Fraktur des Schlüsselbeines fest, was ohne die Hilfe von Menschen für ihn den sicheren Tod bedeutet hätte.

Die Aussichten für eine Heilung stehen nun jedoch für ihn nicht schlecht. Es wird eine Zeit dauern, bis die Verletzungen verheilt sind. Sobald er die Klinik verlassen kann kommt er in die Reha der Bergische Greifvogelhilfe in Rösrath, die ihn versorgen und pflegen wird, bis er im Frühjahr zur Wiedereingliederung in die Tierwelt entlassen werden kann.

Einen positiven Nebeneffekt hat die ganze Sache für ihn schon: Er bekommt das Frühstück ans Bett gebracht – und wer hat das nicht gern?!
Verfasser: Bernd Schader

 

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